Published On: Tue, Feb 21st, 2012

Heftige Proteste gegen mutmaßliche Koran-Verbrennung in NATO-Lager

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US-Verteidigungsminister Panetta entschuldigt sich bei Afghanen

BAGRAM, 21. Februar (AFP) – Tausende wütende Afghanen haben am Dienstag gegen mutmaßliche Koran-Verbrennungen durch NATO-Soldaten protestiert. Von einem Wachtrum am größten US-Stützpunkt in Bagram aus schossen Sicherheitskräfte mit Gummikugeln in die Menge, aus der Brandsätze geworfen wurden, wie ein AFP-Journalist berichtete. US-Verteidigungsminister Leon Panetta entschuldigte sich bei den Afghanen für den “bedauernswerten Vorfall”.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich mehr als 2000 Demonstranten an den Protesten vor der US-Basis, die rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kabul liegt. Bei den Angriffen wurde eines der Lagertore in Brand gesetzt. Die Demonstranten riefen “Tod den Amerikanern” und “Tod den Ungläubigen”. Durch die Gummigeschosse der Sicherheitskräfte wurden dem AFP-Reporter zufolge mindestens sieben Menschen verletzt.

Nach Angaben des Innenministeriums in Kabul brachten afghanische Sicherheitskräfte die Lage bis zum Nachmittag wieder unter Kontrolle. Auch ein weiterer Protest von rund 500 Demonstranten in der Nähe mehrerer NATO-Stützpunkte in Kabul waren nach Angaben der Polizei am Nachmittag beendet.

Von den mutmaßlichen Koran-Verbrennungen hatten nach Angaben eines Regierungsvertreters zunächst Afghanen berichtet, die in Bagram arbeiten. Ein afghanischer Polizist sagte, US-Soldaten hätten in dem Lager mehrere islamische Bücher angezündet, darunter auch Koran-Ausgaben. Einem AFP-Fotografen wurden teilweise verbrannte Koran-Ausgaben gezeigt, die afghanische Arbeiter in Bagram vor weiterer Zerstörung gerettet haben sollen.

In einer Stellungnahme entschuldigte sich der Oberkommandeur der NATO-geführten Afghanistantruppe ISAF, General John Allen, bei Präsident Hamid Karsai, der Regierung und dem “edlen Volk von Afghanistan” für den Vorfall und ordnete eine umfassende Untersuchung an. US-Verteidigungsminister Panetta bedauerte die “unangemessene Behandlung” von Ausgaben des Korans. Er werde die Ergebnisse der Untersuchung genauestens prüfen, um sicherzustellen, dass “dies nicht noch einmal vorkommt”, versprach Panetta.

Ähnliche Vorfälle hatten in der Vergangenheit immer wieder gewaltsame Proteste ausgelöst. Bei tagelangen Kundgebungen gegen die Koran-Verbrennung durch den radikalen US-Pastor Terry Jones in Florida waren im vergangenen April mindestens zehn Menschen getötet worden. Im Januar sorgte ein Internetvideo, in dem US-Soldaten offenbar auf die Leichen getöteter Aufständischer in Afghanistan urinieren, für Empörung. In dem streng islamischen Land steht auf Beleidigung der Religion die Todesstrafe.

ut/jah

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Displaying 2 Comments
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  1. Gorgin Khan says:

    An Herrn Benesch – nicht die ominöse Verfasserin, vorneweg die obligatorische Klärung meiner religilösen Gesinnung: ich bin , zwar als Moslem geboren, aber ich praktiziere den Glauben nicht, wobei sich die Frage stellt, inwiefern ich noch überhaupt vor Gott und der Welt als Moslem gelte.

    Nun zum Thema: darf ich Sie fragen, wieso Sie sich der Mainstream-Verschwörung anschließen, den Islam zu dämonisieren? Ich will hier die Religion als solche nicht verteidigen, sondern als eher neutrale Person der Fairness halber anmerken, dass Sie aus meiner Sicht nicht mit drei Gliedmaßen gegen den Strom schwimmen können und mit dem Vierten zurück, ohne sich dabei einmal beobachtet fühlen zu müssen.

    Wie bitte? Das war keine Absicht? Wieso dann der dunkle Hintergrund und der Turban? Mal abgesehen davon, dass die Assoziation zwischen einem Turban und dem Koran in beeindrückender Weise vorführt wie mangelhaft und drittklassig der soziokulturelle Einblick desjenigen in die Materie sein muss, der das Bild ausgesucht hat. Der Turban ist zwar symbolisch mit dem Ehrbegriff eng verknüpft, ist aber auch in Indien unter den Hindus im selben Kontext stark verbreitet.

    Wieso konnten Sie sich nicht beispielweise für das folgende Bild entscheiden?

    “AFGHANISTAN – DAILY LIFE – WOMEN” von Adek Berry (AFP)

    Oder läuft man da zu sehr die Gefahr, dass die Leser vor dem Hintergrund eines solchen Bildes womöglich die Koranverbrennung noch als Angriff des sog. Westens auf die unterdrückten afghanischen Frauen und Mädchen deuten könnten?
    Das wäre in der Tat eine PR-Katastrophe für die NATO!

    Bitte entschuldigen Sie meinen zynischen Unterton, aber hoffentlich konnte ich Ihnen vor Augen führen, dass auch Sie 2x hinschauen sollten. Denn versteckte Vorurteile sind smarte, flinke Biester. Wenn man sich schon in der virtuellen Medienrealität in ihrem Lügennest gefangen hat, spinnt man schon selber fleißig weiter noch ehe man sich versehen konnte.

  2. El Matador says:

    Würde eine Horde bis an die Zähne bewaffneter Afghanen hier in Deutschland zunächst eine Hochzeit oder einen Faschingszug bombardieren, dann nächtens bei meinen Nachbarn die Tür aufbrechen, die Ehefrau und Kinder misshandeln und den Familienvater gewaltsam nach Unbekannt verschleppen und anschließend vor dem Kölner Dom eine Bibelverbrennungszeremonie abhalten, wäre so ein Protest das mindeste, was die von mir zu erwarten hätten und ich bin nicht einmal gläubig!
    .
    Wer die Afghanen dort unten denn nicht verstehen?

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