Gauck: “Bin überwältigt und auch ein wenig verwirrt”
Ex-DDR-Bürgerrechtler will weiter “reisender Politiklehrer” sein
BERLIN, 19. Februar (AFP) – Der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck hat sich “überwältigt und auch ein wenig verwirrt” angesichts seiner parteiübergreifenden Nominierung für das Amt des Bundespräsidenten gezeigt. Er fühle sich “eingeladen und geehrt”, sagte der parteilose Theologe bei seiner Vorstellung durch die Parteispitzen von Koalition und Opposition am Sonntagabend im Kanzleramt.
Gauck zeigte sich “bewegt”, dass es gelungen sei, ihn als gemeinsamen Kandidaten von Union, FDP, SPD und Grünen zu nominieren. Am wichtigsten sei es ihm mit Blick auf seine künftige Aufgabe, “dass die Menschen in diesem Land wieder lernen, dass wir in einem guten Land leben, das sie lieben können”, sagte er. Er wolle den Menschen Vertrauen in ihre eigenen Kräfte zur Bewältigung die Krise zurückgeben und diejenigen stärken, die auf allen Ebenen des Landes Verantwortung übernehmen würden. Zudem werde er sich auch weiterhin als eine Art “reisender Politiklehrer” verstehen.
Gauck war bereits im Sommer 2010 als Kandidat von SPD und Grünen gegen den damaligen Kandidaten des Regierungslagers, Christian Wulff, angetreten und hatte erst im dritten Wahlgang verloren. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den am Freitag zurückgetretenen Wulff war es am Sonntagnachmittag zunächst zu einem schweren Konflikt zwischen den Koalitionspartnern Union und FDP gekommen. Während sich das FDP-Präsidium einstimmig für Gauck aussprach, lehnte ihn die zunächst Unionsspitze ab. Die Union zog ihre Bedenken schließlich zurück.
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