Chefredakteur von Sender Moskauer Echo vor Gericht vorgeladen
Nach Beschwerde über angebliche arbeitsrechtliche Verstöße
MOSKAU, 15. Februar (AFP) – Drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl in Russland hat eine gerichtliche Vorladung des Chefredakteurs des liberalen Radiosenders Moskauer Echo für Wirbel gesorgt. Wie der Chefredakteur Alexej Wenediktow am Mittwoch mitteilte, sollte er sich bei der Staatsanwaltschaft zu einer Beschwerde über angebliche arbeitsrechtliche Verstöße bei seinem Sender äußern. Im Laufe des Tages wurde die Vorladung aber wieder zurückgezogen, wie Wenediktow über den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter bekanntgab.
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte dem Fernsehsender Doschd, Wenediktow sei gar nicht vorgeladen worden. Es gebe lediglich eine Ermittlung. Die Beschwerde stammt nach Angaben von Wenediktow von einem Mitglied der liberalen Oppositionspartei Jabloko aus der Stadt Tambow. Er habe sich darüber beschwert, dass die bei dem Sender arbeitenden Journalisten keiner politischen Partei angehören dürfen. Jabloko-Chef Sergej Mitrochin sprach per Twitter von einer “Provokation” und kündigte an, den Mann aus der Partei auszuschließen.
Der Radiosender Moskauer Echo hatte zuletzt am Dienstag für Schlagzeilen gesorgt, als bekannt geworden war, dass der Mehrheitseigner Gazprom-Media, eine Tochter des Energieriesen Gazprom, den Aufsichtsrat vorzeitig umbesetzen will. Dabei sollen Wenediktow und sein Stellvertreter das Gremium verlassen. Im Januar hatte Regierungschef Wladimir Putin, der bei der Präsidentenwahl am 4. März als haushoher Favorit gilt, den Sender scharf angegriffen. Er warf dem Moskauer Echo vor, “den ganzen Tag Scheiße” über ihm auszuschütten und im Streit um die geplante NATO-Raketenabwehr den Interessen der USA zu dienen.
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