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Das Ende der Dollar-HegemonieRede
des Abgeordneten Ron Paul vor dem US-Repräsentantenhaus vom 15. Februar
2006
J.Reich infokrieg.tv 22.03.08
Vor
hundert Jahren wurde die Angelegenheit „Dollar-Diplomatie“ genannt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und insbesondere nach dem Zusammenbruch der
Sowjetunion 1989 entwickelte sich diese Politik weiter, hin zu einer
„Dollar-Hegemonie“. Aber nach all diesen Jahren des großen Erfolgs
nähert sich unsere Dollar-Herrschaft ihrem Ende. Es
wird zu Recht allgemein behauptet dass diejenigen, welche das Gold
besitzen, die Gesetze machen. In früheren Zeiten war allgemein
akzeptiert, dass ein fairer und ehrlicher Handel den gegenseitigen
Austausch wirklicher Werte erfordert. In den Anfängen war der einfache
Tauschhandel von Gütern üblich. Später wurde entdeckt, dass Gold eine
universelle Anziehungskraft erfährt und den geeigneten Ersatz für den
umständlichen, beschwerlichen Tauschhandel darstellte. Gold
erleichterte nicht nur den Austausch von Gütern und Dienstleistungen,
sondern diente als Wertaufbewahrungsmittel für diejenigen, welche den
Wert für schwerere Zeiten aufbewahren wollten. Obwohl
sich das Geld naturgemäß auf den Handelsmärkten entwickelte, maßten
sich Regierungen, deren Macht wuchs, die monopolartige Kontrolle über
das Geld an. In manchen Zeiten garantierten Regierungen die Qualität
und Reinheit des Goldes, aber mit der Zeit lernten Regierungen, mehr
auszugeben als sie einnahmen. Neue oder höhere Steuern zogen das
Missfallen der Leute auf sich, sodass es nicht lange dauerte, bis
Könige und Kaiser lernten, wie sie ihre Währungen inflationieren
konnten – indem sie den Goldgehalt der Münzen reduzierten und dabei
glaubten, ihre Untertanen entdeckten den Betrug nicht. Doch die Leute
bemerkten immer recht schnell diese Machinationen und protestierten
energisch. Dies
verstärkte den Druck auf führende Gesellschaften, durch die Eroberung
anderer Länder mehr Gold zu akquirieren. Die Bevölkerung wurde daran
gewöhnt, über ihre Verhältnisse zu leben und erfreute sich an „Brot und
Spielen“. Die Finanzierung dieser extravaganten Lebensweise durch die
Eroberung fremder Länder schien eine logische Alternative dazu zu sein,
selbst härter zu arbeiten und mehr zu produzieren. Nebenbei bemerkt –
die Eroberer-Nationen schafften nicht nur Gold nach Hause, sondern
ebenso Sklaven. Die Besteuerung der eroberten Territorien bildete
ebenfalls einen Anreiz, Imperien aufzubauen. Dieses
Herrschaftssystem funktionierte eine ganze Zeit lang recht gut, aber
der moralische Verfall der Bevölkerung des Imperiums führte zu einem
zunehmende Unwillen, selbst zu arbeiten. Da die Zahl der
ausplünderbaren Völker/Länder begrenzt war, war das Ende der jeweiligen
Imperien gesetzt. Konnten sie sich nicht länger das notwendige Gold
beschaffen, zerfielen ihre Militärwesen, ihre militärische Kraft. Wie
gesagt, in jenen Zeiten machten diejenigen, welche das Gold besaßen,
die Gesetze und lebten vorzüglich. Dieses
generelle Gesetz hatte durch die Jahrhunderte Bestand. Wenn Gold als
Wertmedium benutzt wurde, bei gleichzeitig geschütztem, ehrlichem
Handel, gediehen die produktiven Nationen. Aber immer wenn wohlhabende
Nationen – solche mit mächtigen Streitkräften und Gold – nach einem
Imperium strebten und nach günstigen Gelegenheiten, die Wohlfahrt zu
Hause zu unterfüttern, scheiterten sie. Die
genannten Prinzipien gelten auch heute noch – aber der Prozess ist ein
deutlich anderer: Gold ist nicht länger das Geld des „Reichs“, an seine
Stelle trat das Papier. Heute gilt: „Derjenige, der das Geld druckt,
setzt die Regeln, herrscht“, zumindest vorläufig. Obwohl Gold nicht
mehr im Gebrauch ist, sind die Ziele die gleichen geblieben: fremde
Länder zur Produktion zwingen und das eigene Land mit militärischer
Überlegenheit ausstatten und das Gelddrucken kontrollieren. Seitdem
Geld zu drucken der Fälscherei gleichkommt, muss der Herausgeber der
internationalen Leitwährung immer das Land mit dem militärischen
Apparat sein, das die Kontrolle dieses Systems ausüben kann. Dieses
großartige System scheint das
System schlechthin zu sein, um fortwährend dem Land Wohlstand zu
verschaffen, das die Weltleitwährung herausgibt. Das einzige Problem
ist, wie immer, dass ein so geartetes System den Charakter der
Bevölkerung des Fälscherlandes korrumpiert – ebenso wie zu den Zeiten,
als Gold das universelle Zahlungsmittel war und durch die Eroberung
anderer Länder akquiriert wurde. Diese Verhältnisse zerstören den
Anreiz zu sparen und zu produzieren, währenddessen sie die Verschuldung
und die Degression des Wohlstandes befördern. Der
Druck, im eigenen Land die Währung zu inflationieren, rührt sowohl von
den korporierten Wohlfahrtsempfängern als auch von denen her, die
Almosen als Entschädigung für das Notwendigste und für die ihnen von
anderen zugefügten Ungerechtigkeiten verlangen. In beiden Fällen wird
die persönliche Verantwortlichkeit für das eigene Handeln verweigert. Wenn
Papiergeld nicht mehr angenommen wird, oder wenn das Gold zu Ende geht,
sind Wohlstand und politische Stabilität verloren. Das Land geht in
einem solchen Fall vom Zustand des Über-die-Verhältnisse-Lebens in den
Zustand des Unter-den- Verhältnissen-Lebens über, solange bis die
ökonomischen und politischen Systeme an die neuen Regeln angepasst sind
– Regeln, welche nicht diejenigen erlassen haben, die sich der nun
funktionslosen Notenpresse bedienten. Die
„Dollar-Diplomatie“, eine von William H. Taft und seinem Staatssekretär
Philander C. Knox etablierte Politik, wurde entworfen, um die
US-Geschäfts-Interessen in Lateinamerika und dem Fernen Osten zu
befördern. McKinley brach deswegen 1898 einen Krieg mit Spanien vom
Zaun, und Teddy Roosevelts logisch daraus folgende Anwendung der
Monroe-Doktrin ging dem aggressiven ersten Schritt Tafts voraus, den
US-Dollar und diplomatischen Einfluss einzusetzen, um ausländische
US-Investitionen zu sichern. Diese Politik wurde allgemein als
„Dollar-Diplomatie“ bezeichnet. Das hervorstechende Merkmal von
Roosevelts Politik war, dass unsere Politik allein durch den offenen
Anschein gerechtfertigt werden konnte, dass sich ein Land unseres
Interesses durch europäische Kontrolle politisch oder finanziell in
Gefahr befand. Wir deklamierten öffentlich nicht nur das Recht, sondern
die offizielle Verpflichtung der US-Regierung, unsere
Geschäftsinteressen gegen die Europäer zu verteidigen. Diese neue
Politik folgte der Kanonenboot-Politik des späten 19. Jhdts. auf dem
Fuße, d.h. wir konnten nun unseren Einfluss „kaufen“, bevor wir zur
Androhung offener Gewalt Zuflucht nehmen mussten. Unterdessen
war die „Dollar-Diplomatie“ von Howard William Taft klar formuliert,
die Setzlinge des US-Empires gesteckt. Und sie waren dazu bestimmt,
unter der fruchtbaren Sonne eines Landes zu gedeihen, das seine Liebe
und seinen Respekt für das republikanische Vermächtnis der
Verfassungsväter verloren hatte. Und sie gediehen in der Tat. Es
dauerte nicht lange, bis die „Dollar-Diplomatie“ zur „Dollar-Hegemonie“
in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mutierte. Dieser
Übergang war nur mit Hilfe eines dramatischen Wechsels in der
Währungspolitik und durch einen Funktionswechsel des Dollars möglich.
1913 schuf der Kongress das Federal Reserve System. Bis 1971 wurde das
Prinzip des soliden Geldes systematisch untergraben. In den Jahren
1913-71 hielt die FED (Federal Reserve Board = US-Zentralbank) es für
den einfacheren Weg, die Geldmenge ohne größeren Widerstand des
Kongresses nach Belieben auszudehnen, um Kriege zu finanzieren oder die
Wirtschaft zu manipulieren, wobei spezielle Geschäftsinteressen, welche
die Regierung stark beeinflussten, profitierten. Nach
dem Zweiten Weltkrieg verstärkte sich die Dominanz des Dollars enorm.
Wir erlitten keine Kriegszerstörungen wie andere Länder und unsere
Tresore waren mit dem Gold der Welt gefüllt. Aber die Welt entschied
sich nicht, zur Disziplin des Goldstandards zurückzukehren; die
Politiker applaudierten. Die Notenpresse laufen lassen, um Rechnungen
zu bezahlen, war viel populärer als Steuern zu erheben oder unnötige
Ausgaben zu vermeiden. Ungeachtet der kurzfristigen Vorteile waren
Ungleichgewichte für die kommenden Jahrzehnte vorprogrammiert. Das
Bretton Woods Abkommen von 1944 zementierte den Dollar anstelle des
Britischen Pfunds als überragende Weltreserve-Währung. Aufgrund unserer
politischen und militärischen Stärke und weil wir eine große Menge des
Weltgoldes besaßen, akzeptierte die Welt bereitwillig unseren Dollar
als Weltreservewährung; ein Dollar war definiert als 35ster Teil einer
Unze Gold. Der Dollar galt quasi als reines Gold und war für alle
ausländischen Zentralbanken in dem vorig genannten Verhältnis in
physisches Gold umtauschbar. Den amerikanischen Staatsbürgern war nach
wie vor der Besitz von Gold verboten. Der oben erwähnte
Gold-Tausch-Standard musste von Anfang an scheitern. Die USA verhielten
sich im Weiteren so wie die meisten vorhergesagt hatten: Sie druckten
mehr Dollarscheine als durch Gold gedeckt waren. Über 25 Jahre lang
duldete die Welt diesen Zustand ohne groß zu fragen – bis Frankreich
und andere Länder Ende der 1960er verlangten, dass wir unser
Versprechen wahr machten und eine Unze Gold zahlten für jeweils 35
Dollar, die sie beim US-Schatzamt ablieferten. Das Ergebnis war ein
ungeheurer Goldabfluss, der den schlecht konstruierten
Pseudo-Gold-Standard aufhob. Das
Ganze endete am 15. August 1971, als Nixon das „Goldfenster“ schloss
und die weitere Auszahlung auch nur einer der restlichen 280 Millionen
Unzen Gold verweigerte. Bei Lichte besehen erklärten wir damit unseren
Bankrott und jeder konnte erkennen, dass ein anderes Weltwährungssystem
gefunden werden musste um die Märkte zu stabilisieren. Erstaunlicherweise
wurde ein neues System ersonnen, welches den USA erlaubte, die
Notenpresse für die Weltreservewährung ohne jede Einschränkung laufen
zu lassen – ja sogar nicht einmal mit dem Anspruch der
Goldkonvertibilität oder dergleichen. Obwohl diese neue Politik noch
viel fehlerhafter war, machte sie den Weg für eine sich noch weiter
ausdehnende Dollar-Hegemonie frei. Nachdem
sie registriert hatten, dass die Welt etwas Neues und
Revolutionierendes entwickeln wollte, vereinbarte die Elite der
Geldmanager, besonders nachhaltig unterstützt von den US-Behörden, ein
Abkommen mit der OPEC, den Preis für Erdöl weltweit ausschließlich in
Dollar festzusetzen. Dies verhalf dem Dollar zu einem besonderen Platz
unter den Weltwährungen und sicherte den Dollar im Endeffekt mit Öl ab.
Im Gegenzug versprachen die USA, die diversen Öl-Scheichtümer gegen
drohende Invasionen oder innere Aufstände zu schützen. Dieses
Arrangement setzte den Aufstieg der radikalen islamischen Bewegung
unter denen in Gang, die uns unseren Einfluss in der Region übel
nahmen. Das Abkommen verlieh dem Dollar eine künstliche Stärke,
verbunden mit unglaublichen finanziellen Vorteilen für die Vereinigten
Staaten. In dem Maße, wie der Dollareinfluss gedieh, erlaubte uns dies,
unsere Geldinflation zu exportieren, und zwar über große Preisnachlässe
beim Öleinkauf und beim Import anderer Güter. Dieses
Post-Bretton-Woods-System war wesentlich fragiler als das zwischen 1945
und 1971. Obwohl das Dollar/Öl-Abkommen hilfreich war, war es nicht
annähernd so stabil wie der Pseudo-Goldstandard von Bretten Woods.
Zweifellos war es weniger stabil als der Goldstandard des späten 19.
Jahrhunderts. Während
der 1970er kollabierte der Dollar beinahe, als der Ölpreis sprunghaft
anstieg und der Goldkurs auf 800$ pro Unze hoch schoss. 1979 waren
Zinssätze von 21 Prozent erforderlich, um das gesamte System zu retten.
Der Druck auf den Dollar in den 1970ern reflektierte – trotz der
Vorteile, die ihm zukamen – die grob fahrlässige Staatsverschuldung und
die Währungsinflation während der 1960er. Die Märkte ließen sich von
Lyndon B. Johnsons Gerede nicht an der Nase herumführen, wir könnten
uns sowohl „Kanonen als auch Butter“ (guns and butter) leisten. Wieder
einmal war der Dollar gerettet und dies führte in die Phase der
tatsächlichen Dollar-Hegemonie, die von Anfang der 1980er bis in die
heutige Zeit andauert. Durch ein unglaubliches Zusammenspiel der
Zentralbanken und internationalen Geschäftsbanken wurde der Dollar
allgemein so akzeptiert als handle es sich um Gold. Bei verschiedenen
Gelegenheiten antwortete der FED-Vorsitzende Alan Greenspan vor dem
Banken-Komitee des Repräsentantenhauses auf meine Kritik an seiner
zuvor vertretenen günstigen Beurteilung des Goldes, er und die anderen
Zentralbanker hätten das Papiergeld – d.h. das Dollar-System – dahin
entwickelt, dass es wie Gold reagiere. Jedes Mal widersprach ich heftig
und wies darauf hin, wenn sie eine solche Heldentat vollbracht hätten,
hätten sie sich einfach über die geschichtliche Erfahrung der
Wirtschaft hinweggesetzt, die besagt, dass das Geld einen wirklichen
Wert zu repräsentierten habe. Dem stimmte Greenspan dann selbstgefällig
und selbstsicher zu. In
den vergangen Jahren machten Zentralbanken und verschiedene
Finanzinstitutionen, alle interessiert an der Aufrechterhaltung eines
funktionsfähigen Dollar- Standards ohne Deckung, kein Geheimnis daraus,
große Mengen Gold auf dem Markt zu verkaufen bzw. zu verleihen, während
die sinkenden Goldpreise eine Reihe von Fragen aufwarfen, ob solch eine
Politik klug sei. Diese Kreise stimmten nie einem Fixing des
Goldpreises zu, vielmehr ist ihr Glaube reichlich belegt, falls der
Goldpreis falle, erzeuge das ein gewisses Vertrauen des Marktes in ihre
erstaunliche Fähigkeit, Papier in Gold verwandeln zu können. Geschichtlich
betrachtet deutet der Anstieg des Goldpreises auf ein zunehmendes
Misstrauen in Papierwährungen hin. Dieser Sachverhalt war vor einiger
Zeit sichtbar, als das US Schatzamt in den 1960ern eine Unze Gold für
35 $ verkaufte, ein Versuch, die Welt von der Solidität des Dollar und
dass er hart sei wie Gold, zu überzeugen. Ja selbst während der Großen
Depression waren die ersten Amtshandlungen Roosevelts, die freie
Markt-Preisbildung von Gold zu unterbinden – ein Zeichen des faul
gewordenen Währungssystems – und den US-Bürgern den Besitz von Gold zu
verbieten. Ökonomische Gesetzmäßigkeiten begrenzten diese Anstrengung,
so in den frühen 1970ern, als US-Schatzamt und IWF versuchten, den
Goldpreis dadurch zu halten, indem sie Tonnen Gold in den Markt
pumpten, um den Enthusiasmus derjenigen zu dämpfen, die nach einem
sicheren Hafen im Fall des Dollar-Verfalls suchten, nachdem der
Goldbesitz für Privatleute wieder erlaubt worden war. Der neuerliche
Versuch, zwischen 1980 und 2000 die Märkte über den wirklichen Wert des
Dollar zu täuschen, erwies sich als erfolglos. In den letzten fünf
Jahren verlor der Dollar gegenüber Gold mehr als 50% an Wert. Man kann
nicht alle Leute die ganze Zeit täuschen, selbst nicht mit der Macht
der gewaltigen Notenpresse und des Geldschöpfungssystems der FED. Trotz
all der beschriebenen Unzulänglichkeiten des deckungslosen Papier-Geld-
Systems dehnte sich der Einfluss des Dollars aus. Die Resultate
schienen vorteilhaft zu sein, jedoch die großen Verzerrungen im
Gesamtsystem blieben. Fast nach Vorschrift scheuen sich die Politiker
in Washington die Probleme, die aus den zu Tage getretenen
Verschleierungen resultieren, anzugehen, wobei sie gleichzeitig die
zugrunde liegende fehlerhafte Politik nicht verstehen und mit ihr nicht
umgehen können. Protektionismus, feste Wechselkurse, Strafzölle,
politisch motivierte Sanktionen, Subventionen für Konzerne,
internationales Handelsregime, Preiskontrollen, Zinsund
Einkommenskontrollen, hyper-nationalistische Vorurteile, die Drohung
mit Gewalt und sogar Krieg – zu all dem wird Zuflucht genommen, um die
Probleme zu lösen, die künstlich durch ein zutiefst mit Fehlern
behaftetes Währungs- und Wirtschafts- System hervorgerufen worden sind. Auf
kurze Sicht können die Herausgeber nicht gedeckter Papierwährungen
erhebliche Profite akkumulieren. Auf längere Sicht bedroht dies das
Land, welches die Weltleitwährung stellt. In diesem Fall sind das die
USA. Solange andere Länder unsere Dollars in reale Wirtschaftsgüter
eingetauscht haben, kamen wir gut raus. Diesen Vorteil wollen viele im
Kongress nicht wahrhaben, wenn sie China wegen seines
Handlesbilanzüberschusses gegenüber uns anklagen. Dies führte zur
Auslagerung vieler industrieller Arbeitsplätze ins Ausland,
gleichzeitig wurden wir mehr von anderen abhängig und weniger
selbstversorgungsfähig. Das Ausland hortet unsere Dollars zu Gunsten
seiner hohen Sparquote und verleiht uns diese netterweise zu niedrigen
Zinsen, um unseren exzessiven Konsum zu finanzieren. Das scheint
vordergründig das große Geschäft für alle Beteiligten zu sein, aber die
Zeit wird kommen, in der unsere Dollars – wegen ihrer Abwertung –
weniger freudig entgegengenommen oder gar vom Ausland zurückgewiesen
werden. So könnte eine ganz neue Situation entstehen, die uns dazu
zwingt, den Preis für das Über-unsere- Verhältnisse- und
Über-unsere-Produktionsfähigkeit-Leben zu bezahlen. Der Sinneswandel
hat, was den Dollar betrifft, bereits begonnen, aber das Schlimmste
steht noch bevor. Das
Abkommen mit der OPEC zu Beginn der 1970er verlieh dem Dollar eine
künstliche Stärke als der herausragenden Welt-Reserve-Währung. Das
Abkommen schuf eine weltweite Nachfrage nach Dollarnoten und saugte
Unmengen jährlich neu gedruckter Scheine an. Allein im letzten Jahr
wuchs die Geldmenge M3 um über 700 Milliarden Dollar(3). Die
künstliche Nachfrage nach unserem Dollar, verknüpft mit unserer
militärischen Macht, hat uns in die einzigartige Position versetzt, die
Welt beherrschen zu können, ohne selbst produktiv zu arbeiten, zu
sparen und unseren Konsum oder unsere Verschuldung zu begrenzen. Das
Problem ist, so kann das nicht weitergehen. Die Preisinflation erhebt
ihr hässliches Haupt und die Blase an der NASDAQ-Börse, welche von
schnellem Geld provoziert wurde, ist geplatzt. Genauso geht der
Immobilienblase die Luft aus. Die Goldpreise haben sich verdoppelt und
ein Ende der Bundesausgaben ist nicht in Sicht, bei Null politischem
Willen, sie zu zügeln. Das letztjährige Handelsdefizit lag bei über 728
Mrd. Dollar. Ein Zwei-Billionen-Dollar- Krieg tobt, und es werden Pläne
lanciert, den Krieg auf den Iran und möglicherweise Syrien auszudehnen.
Die einzige Kraft, die dies verhindern kann, ist die weltweite Abkehr
vom Dollar. (Hervorhebung d. Übers.) Diese wird kommen und schlimmere
Bedingungen als 1979/80 hervorrufen, die 21%ige Zinsraten erforderten,
um korrigierend einzugreifen. Aber in der Zwischenzeit wird alles nur
Erdenkliche getan, um den Dollar zu schützen. Wir teilen dieses
Interesse mit denjenigen, welche unsere Dollars horten, um die Farce
fortzusetzen. Greenspan
meinte in seiner ersten Rede nach dem Ausscheiden aus der FED, die
Goldpreise seien so hoch wegen der Terror-Angst, nicht jedoch wegen der
Besorgnis bezüglich der Währung oder weil er während seiner Amtszeit
eine ausufernde Geldschöpfung betrieben habe. Gold müsse in Verruf
gebracht werden und der Doller gestützt, so Greenspan. Sollte der
Dollar von den internationalen Märkten ernsthaft angegriffen werden,
unternähmen die Zentralbanken und der IWF sicher alles in ihrer Macht
Stehende, um die Dollarmengen vom Markt abzusaugen in der Hoffnung,
dessen Stabilität wieder herzustellen. Letztendlich werden sie dabei
scheitern. Am wichtigsten ist, dass die Dollar-Öl-Beziehung
aufrechterhalten wird, um ihn als überragende Währung zu sichern. Jeder
Angriff auf diese Beziehung wird machtvoll beantwortet werden – so wie
es immer schon geschehen ist. Im
November 2000 verlangte Saddam Hussein für das irakische Öl Euros.
Seine Arroganz bedrohte den Dollar; seine nicht vorhandene militärische
Macht stellte hingegen nie eine Bedrohung dar. Auf der ersten
Kabinetts-Sitzung der neuen Administration 2001 – so wird von
Finanzstaatssekretär Paul O’Neill berichtet – war der wichtigste
Tagesordnungspunkt, wie wir Saddam Hussein aus dem Amt jagen könnten –
obwohl es keinerlei Anzeichen gab, in welcher Weise er uns bedrohte.
Diese hohe Besorgnis bezüglich Saddam Hussein überraschte und
schockierte O’Neill. Inzwischen
ist allgemein bekannt, dass sich die unmittelbaren, ersten Reaktionen
der Bush-Administration nach 9-11 darum drehten, wie man Saddam Hussein
mit den Anschlägen in Verbindung bringen könne, um eine Invasion in den
Irak und den Sturz seiner Regierung zu rechtfertigen. Obwohl keinerlei
Anzeichen irgendeiner Verbindung Husseins mit 9-11, keinerlei Anzeichen
für den Besitz von Massenvernichtungswaffen vorlagen, wurde durch
Verdrehung der Tatsachen, durch eine Flut von Fehlinterpretationen die
Unterstützung der Öffentlichkeit und des Kongresses erzeugt, der Sturz
Saddam Husseins sei gerechtfertigt. Es
fand keine öffentliche Diskussion darüber statt, dass wir Saddam
Hussein beseitigen wollten, weil er mit der Auspreisung des Öls in Euro
die Integrität des Dollars als Weltreservewährung angriff. Viele
glauben heute, das sei der eigentliche Grund für unsere Besessenheit
gegenüber dem Irak. Ich zweifle daran, dass dies der einzige Grund war,
aber er hat wohl eine bedeutende Rolle in unserem Kalkül, Krieg zu
führen, gespielt. Innerhalb kürzester Zeit nach dem Sieg wurde
sämtliches irakisches Öl wieder in Dollar gehandelt, der Euro war
verbannt. Im
Jahre 2001 verkündete der Botschafter Venezuelas in Russland, sein Land
steige bei der Auspreisung aller Ölverkäufe auf Euro um. Innerhalb
eines Jahres gab es einen Staatsstreich gegen Chavez, den, so wird
berichtet, unsere CIA unterstützte. Nachdem diese Versuche, den Euro zu
pushen und den Dollar als Weltreserve-Währung zu verdrängen auf
heftigen Widerstand gestoßen waren, kehrte sich der starke Wertverlust
des Dollar gegenüber dem Euro um. Diese Ereignisse mögen eine wichtige
Rolle dabei gespielt haben, die Dollar-Herrschaft aufrechtzuerhalten. Es
ist sehr deutlich geworden, dass die US-Administration mit denen
sympathisiert hatte, die sich zum Sturz von Chavez verschworen hatten,
und sie war über das Scheitern der Sache ziemlich in Verlegenheit
gebracht worden. Die Tatsache, dass Chavez demokratisch gewählt worden
war, hatte keinen Einfluss darauf, welche Seite wir hier unterstützten. Nun
startet ein neuer Angriff auf das Petrodollar-System. Iran, ein anderes
Mitglied der „Achse des Bösen“, hat bekannt gegeben, dass es im März
dieses Jahres eine Ölbörse eröffnen wird. Wer hätte erraten, dass das
Öl in Euro und nicht in Dollar ausgepreist werden soll. Die
meisten US-Amerikaner haben vergessen, wie im Laufe der Zeit unsere
Politik gegenüber dem Iran systematisch und ohne Not einen
unüberbrückbaren Graben zwischen unseren Ländern aufgerissen hat. 1953
half die CIA, den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mossadeqh
zu stürzen und installierte die Schah-Diktatur, die mit den USA
befreundet war. Die Iraner schäumten darob immer noch vor Wut, als die
US-Geiseln 1979 gefangen genommen wurden. Unsere Unterstützung von
Saddam Hussein bei der Invasion des Irans in den frühen 1980ern war
kontraproduktiv und trug augenscheinlich auch nicht viel zugunsten
unserer Beziehungen zu Saddam Hussein bei. Dass die US-Regierung 2001
verkündete, der Iran sei Teil der „Achse des Bösen“, verbesserte
ebenfalls nicht gerade unsere Beziehungen. Dass bei den jüngsten
Bedrohungsszenarien wegen einer aufkommenden iranischen Nuklearmacht
ignoriert wird, dass der Iran von Atommächten umgeben ist, kommt
anscheinend nicht bei denen an, welche den Iran fortgesetzt
provozieren. Wenn man sich vor Augen hält, was die meisten Muslime als
unseren Krieg gegen den Islam wahrnehmen und zusätzlich diese neueste
Geschichte, dann verwundert es nicht, dass der Iran es bevorzugt, den
USA zu schaden, indem er die Stellung des Dollar unterminieren will.
Der Iran hat - wie der Irak - 0-Fähigkeit uns anzugreifen. Aber dies
hielt uns nicht davon ab, Saddam Hussein als einen modernen Hitler zu
modellieren, der sich anschickt die Welt zu erobern. Nun scheint der
Iran – besonders nach dem er seine Pläne, Öl in Euro auszupreisen, wahr
gemacht hat – Ziel eines Propagandakriegs zu sein, ähnlich demjenigen,
den wir gegen den Irak vor unserem Einmarsch geführt haben. Es
ist nicht wahrscheinlich, dass die Verteidigung der Vorherrschaft des
Dollars der einzige Beweggrund für den Krieg gegen den Irak war bzw.
für die Agitation gegen den Iran ist. Obwohl die wirklichen Gründe für
den Kriegseintritt komplex sind, wissen wir aber, dass die offiziell
verkündeten, gelogen waren, wie z.B. die Stationierung von
Massenvernichtungswaffen im Irak, Saddam Husseins Verbindung mit den
Anschlägen des 11. September. Die Bedeutung des Dollars ist
offensichtlich, aber das verringert nicht den Einfluss der Pläne zur
Restrukturierung des Mittleren Ostens, die vor Jahren von den
Neokonservativen gemacht wurden. Um diesen Krieg voranzutreiben,
spielten der Einfluss Israels wie auch der der Christlichen Zionisten
eine Rolle. Der Schutz „unserer“ Ölvorräte hat unsere Politik im
Mittleren Osten seit Jahrzehnten beeinflusst. Wahr
ist aber auch, dass es unmöglich ist, in altem Stil, d.h. mit höheren
Steuern, Sparen, größerer Wertschöpfung durch die US-Amerikaner, die
Rechnungen für unsere aggressiven Interventionen zu bezahlen. Ein
großer Teil der Kriegskosten des Golfkriegs 1991 wurde von vielen
unserer willigen Alliierten bezahlt. Heute ist das nicht mehr der Fall.
Heute ist – mehr denn je – die Dollar-Hegemonie, d.h. die Funktion des
Dollars als Weltreserve-Währung, notwendig, um unsere aufwendigen
Kriegsexpeditionen zu finanzieren. Dieser nicht enden wollende
2-Billionen-$-Krieg muss auf die eine oder andere Weise bezahlt werden.
Die Dollar-Hegemonie stellt uns dafür die Werkzeuge zur Verfügung. Größenteils
sind sich die wirklichen Opfer dessen nicht bewusst, wie s i e diese
Rechnungen bezahlen. Die Lizenz, Geld quasi aus dünner Luft zu drucken,
ermöglicht es uns, die Rechnungen durch Preisinflation zu begleichen.
Unter dieser Inflation leiden die US-Bürger ebenso wie der
Durchschnittsbürger in Japan, China oder in anderen Ländern. Diese
Inflation ist die „Steuer“, mit der die Rechnungen für unsere
militärischen Abenteuer bezahlt werden. Das geht so lange, bis dieser
Betrug aufgedeckt wird und ausländische Produzenten entscheiden, sich
nicht in Dollars auszahlen zu lassen bzw. diese nicht länger für die
Bezahlung der von ihnen erworbenen Güter vorrätig zu halten. Es wird
alles Mögliche unternommen, um zu verhindern, dass den breiten Massen
dieser Betrug des Währungssystems, unter dem sie zu leiden haben,
enthüllt wird. Falls die Ölmärkte den Dollar durch den Euro ersetzen,
würde das unmittelbar unsere Möglichkeiten einengen, ohne weitere
Einschränkungen die Weltreserve-Währung zu drucken. Es
ist ein unbestreitbarer Vorteil für uns, wertvolle Güter einzuführen
und dafür im Wert verfallende Dollars zu exportieren. Die
Exportnationen sind in ihrem Wachstum von unseren Käufen abhängig
geworden. Diese Abhängigkeit macht sie zu unseren Verbündeten im
fortgesetzten Betrug, und ihre Teilhabe an diesem hält den Wert des
Dollar künstlich hoch. Sollte dieses System noch über lange Zeit
funktionierten, müssten die US-Bürger nie mehr arbeiten. Genau wie die
Römer könnten auch wir „Brot und Spiele“ genießen. Aber denen ging
schlussendlich das Gold aus und Roms Unvermögen, die eroberten Länder
weiter auszuplündern, führte zum Zusammenbruch seines Imperiums. Das
wird auch uns geschehen, wenn wir diese nicht Pfade verlassen. Obwohl
wir fremde Länder nicht besetzen, um sie direkt auszuplündern, haben
wir trotzdem unsere Truppen in 130 Ländern stationiert. Der Zwang,
unsere Militär-Macht im ölreichen Mittleren Osten zu dislozieren, ist
kein Zufall. Aber im Gegensatz zu früheren Zeiten erklären wir uns
nicht zum unmittelbaren Eigentümer der Naturschätze anderer Länder,
bestehen jedoch darauf, dass wir kaufen können, was wir wollen, und
dass wir mit unserem Papiergeld dafür bezahlen können. Jedes Land, das
unsere Herrschaft herausfordert, geht ein großes Risiko ein. Unser
gesamtes wirtschaftliches System hängt davon ab, dass das gegenwärtige
Dollar-Recycling-System Bestand hat. Wir leihen uns jährlich 700 Mrd.
Dollar von unseren „großzügigen Wohltätern“, welche dafür hart arbeiten
und unsere Dollarnoten für ihre Produkte annehmen. Weiters borgen wir
uns all die Gelder aus, die wir für die Sicherung des Empires brauchen
(Verteidigungsbudget: 450 Mrd. Dollar) und noch mehr. Die Militärmacht,
welcher wir uns „erfreuen“, wird zu d e r „Deckung“ unserer Währung. Es
gibt keine anderen Länder, die uns auf militärischem Gebiet Paroli
bieten, weshalb die Welt keine andere Wahl hat, als die Dollars, welche
wir zum „Gold von Heute“ deklarieren, zu akzeptieren. Das ist auch der
Grund, weshalb Länder, die dieses System herausfordern – wie der Irak,
Iran oder Venezuela, zum Ziel unserer Umsturzpläne werden. Komischerweise
hängt die Dollar-Vorherrschaft von unserer militärischen Stärke ab und
umgekehrt. Solange das Ausland unsere Dollars im Tausch für reale Güter
akzeptiert und unseren extravaganten Lebensstil und Militarismus
finanziert, kann der Status Quo weiter bestehen, unbeschadet der
wachsenden Auslandsschulden und des Zahlungsbilanzdefizits. Die
wirkliche Bedrohung kommt von unseren politischen Gegnern, die uns
militärisch zwar nicht die Stirn bieten, aber auf wirtschaftlichem
Gebiet herausfordern können. Deswegen wird die neue Herausforderung
seitens des Iran für so ernst gehalten. Die eindringlichen Argumente,
Iran bedrohe die Sicherheit der USA, sind ebenso plausibel wie die
erfundenen Vorwürfe gegen den Irak. Noch leisten diejenigen, welche
sich gegen die Irakkrieg engagiert hatten, diesem Marsch in die
Konfrontation keinen Widerstand. Augenscheinlich
hat der Hurrapatriotismus der Promotoren des Präventivkriegs die
Öffentlichkeit und den Kongress überzeugt. Erst nach Verlusten an
Menschenleben und zu hoch gestiegenen Unkosten protestieren die Leute
gegen diesen törichten Militarismus. Befremdlich ist, dass der Kongress
und die Leute dem Ruf nach einer völlig unnötigen und gefährlichen
Konfrontation mit dem Iran folgen, obwohl der großen Mehrheit das
Irak-Desaster wohlbekannt ist. Aber
andererseits: Unser Versagen, Osama bin Laden zu finden und sein
Netzwerk zu zerstören, hielt uns auch nicht davon ab, den Irak mit
Krieg zu überziehen – ohne jede Verbindung mit 9-11. Unser
Interesse an der Öl-Dollar-Preisbindung hilft bei der Erklärung unserer
Bereitschaft, all das zu vergessen und Saddam Hussein wegen seiner
Frechheit eine Lektion zu erteilen. Und
wieder einmal ertönt der dringende Ruf nach Sanktionen und
Gewaltmaßnahmen gegen den Iran justament zu dem Zeitpunkt, in dem
dieses Land eine neue Ölbörse errichten will, auf der Öl in Euro
gehandelt werden soll. Leute
zu zwingen, Papiergeld ohne realen Wert zu akzeptieren, klappt nur
kurze Zeit. Auf lange Sicht führt das zu ökonomischen Erschütterungen
im Inland und weltweit und muss letztlich mit einem Preis bezahlt
werden. Das
wirtschaftliche Gesetz, dass ehrlicher Handel eine solide Währung von
wirklichem Wert erfordert, kann nicht außer Kraft gesetzt werden. Das
Chaos, welches unser 35jähriges, weltweites Experiment mit einer
deckungslosen Papierwährung nach sich zieht, wird eine Rückkehr zu
einem Geld mit realem Wert erzwingen. Dieser Tag rückt näher, wenn die
Erdöl produzierenden Staaten für ihr Öl Gold oder einen vergleichbaren
Wertträger anstatt Dollars und Euros verlangen. Je früher, desto besser. |
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